Matomo 6 steht vor der Tür: Die erste Beta erschien am 9. September 2026, Ende September folgte bereits die vierte (6.0.0-b4). Eine finale Version gibt es noch nicht. Genau die richtige Zeit, um das Upgrade vorzubereiten, statt es später unter Druck zu erledigen.
Dieser Artikel fasst zusammen, was sich für Betreiber einer eigenen Matomo-Instanz ändert, und endet mit einer Checkliste. Stand: 30. September 2026, Matomo 6.0.0-b4.

Was sich mit Matomo 6 ändert
Die für den Betrieb wichtigsten Punkte:
- Neue Mindestanforderungen: PHP 8.1 sowie MySQL 8.0 oder MariaDB 10.6. Die experimentelle Unterstützung für TiDB entfällt.
- Spam- und Bot-Filter ab Werk: Das bisherige Plugin „Tracking Spam Prevention“ ist jetzt Teil von Matomo, standardmäßig aktiv und nicht mehr deinstallierbar. Es filtert auch Traffic aus Headless-Browsern, wie ihn KI-Werkzeuge erzeugen.
- Neue Karten: Die Besucher- und Echtzeitkarten wurden aus aktuellen Geodaten neu erzeugt; Regionen werden jetzt über ISO-3166-2-Codes zugeordnet.
- Vorbereitung für Consent-Tracking: Die Besuchstabelle
log_visitbekommt eine neue Spalteconsent. Noch schreibt nichts hinein. Matomo legt sie vorab an, damit die Tabellenänderung schon erledigt ist, wenn die Funktion kommt. - Entfernt: das SEO-Plugin, das alte Archivierungsskript
misc/cron/archive.sh, das Ein-Klick-Update über unverschlüsseltes HTTP und einzelne API-Methoden wieAPI.getSettings. - Für Entwickler: Das Frontend wird jetzt mit Vite gebaut, dazu kommen große Versionssprünge bei Abhängigkeiten (Monolog 3, PHP-DI 7, Symfony 6.4). Wer das Release-Archiv einspielt, braucht dafür kein Node.js, eigene Plugins aber müssen angepasst werden.
Voraussetzungen: PHP und Datenbank
PHP 8.1 oder neuer ist Pflicht. Prüfen Sie außerdem die php.ini: Die Funktion glob() darf nicht unter disable_functions stehen, sonst startet Matomo 6 nicht.
Bei der Datenbank lohnt ein zweiter Blick. MySQL 8.0 und MariaDB 10.6 sind zwar das Minimum, Matomos eigene Systemprüfung stuft aber beide bereits als „End of Life“ ein: MySQL 8.0 seit dem 1. Mai 2026, MariaDB 10.6 in der Community-Version seit dem 7. Juli 2026. Wer ohnehin an die Datenbank muss, plant deshalb besser gleich den Sprung auf MySQL 8.4 LTS oder MariaDB 10.11, und zwar als eigenen Schritt vor dem Matomo-Upgrade, damit Sie bei Problemen wissen, woran es liegt.

Die Datenbank-Änderung: eine Spalte, aber auf der größten Tabelle
Anders als bei manchen früheren Major-Versionen bleiben die Log-Tabellen weitgehend unangetastet. In der aktuellen Beta ändert das Update nur log_visit:
ALTER TABLE matomo_log_visit ADD COLUMN consent TINYINT(1) UNSIGNED NULL DEFAULT NULL;
Matomo selbst warnt, dass das auf großen Installationen dauern kann. Auf MySQL ab 8.0.12 fügt die Datenbank neue Spalten standardmäßig ohne Umkopieren der Tabelle hinzu („INSTANT“). Dann ist der Schritt schnell erledigt. Verlassen Sie sich aber nicht darauf: Wie lange es bei Ihnen dauert, hängt von Datenbank, Tabellenformat und Größe ab. Messen Sie es an einer Kopie.
Zwei Hinweise dazu:
- Die Custom-Variables-Spalten bleiben erhalten. Das Plugin gibt es in einer Version für Matomo 6; Daten gehen nicht verloren.
- Der Meilenstein für 6.0.0 ist noch offen. Ein offener Änderungsvorschlag würde eine zusätzliche Tabelle für die Verweildauer pro Seitenaufruf einführen. Lesen Sie vor dem Upgrade die Release Notes der finalen Version.
Insgesamt kann ein Major-Update laut Matomo „einige Minuten bis einige Stunden“ dauern, auf sehr großen Datenbanken im Extremfall Tage. Planen Sie das Wartungsfenster nach Ihrer Messung, nicht nach Gefühl.
Plugins prüfen
Jedes Plugin muss in seiner plugin.json ausdrücklich angeben, dass es mit Matomo 6 läuft, zum Beispiel:
"require": { "matomo": ">=6.0.0-b1,<7.0.0-b1" }
Plugins ohne diese Angabe werden beim Update deaktiviert. Ein Plugin kann nicht gleichzeitig Matomo 5 und 6 unterstützen; Anbieter veröffentlichen dafür eigene Versionen.
- Plugins aus dem Marketplace: Prüfen Sie für jedes aktive Plugin, ob es schon eine Version für Matomo 6 gibt. Fehlt eine, entscheiden Sie vorab, ob Sie warten oder darauf verzichten.
- Eigene Plugins: Die neuen Versionen von Monolog, PHP-DI und Symfony zeigen sich laut Matomo als fatale Fehler. Testen Sie eigene Plugins deshalb auf einer Staging-Instanz. Eine angepasste
plugin.jsonallein reicht nicht.
Was sich an Ihren Zahlen ändert
Zwei Änderungen fallen in Berichten und Auswertungen auf:
- Weniger erfasste Besuche: Der Spam- und Bot-Filter wird beim Update aktiviert, auch dort, wo er bisher aus war. Auf Installationen, die das Plugin nie hatten, blockiert er zusätzlich Zugriffe aus Cloud-Rechenzentren. Rechnen Sie mit einem Knick in der Kurve und setzen Sie am Upgrade-Tag eine Anmerkung in Matomo, damit niemand später einen Einbruch sucht.
- Zusätzliche Spalten in Exporten: API-Antworten und Exporte enthalten neue Spalten
…_percent_of_total. Skripte, die CSV- oder TSV-Dateien nach Spaltenposition lesen, brechen dadurch. Mit dem Parameterpercent_of_total=0lässt sich das abschalten, bei geplanten Berichten allerdings nicht.
Checkliste für das Upgrade

- PHP 8.1+ installiert,
glob()nicht deaktiviert. - Datenbank mindestens MySQL 8.0 oder MariaDB 10.6, besser MySQL 8.4 LTS oder MariaDB 10.11, als eigener Schritt vorab.
- Plugins auf Matomo-6-Versionen geprüft, eigene Plugins auf Staging getestet.
- Cronjob umgestellt:
./console core:archivestattmisc/cron/archive.sh. - Reverse Proxy: Wenn Sie
proxy_host_headersnutzen, tragen Sie den öffentlichen und den internen Hostnamen vor dem Update intrusted_hostsein. Sonst erscheint statt der Anmeldung eine Warnung über einen ungültigen Host. - Exporte und API-Anbindungen auf die neuen Spalten geprüft.
- Backup von Datenbank und Programmdateien inklusive
config/config.ini.php, genug freier Speicherplatz auf dem Datenbankserver. - Probelauf an einer Kopie, Dauer von
core:updategemessen. - Wartungsfenster: Tracking pausieren (
./console config:set Tracker.record_statistics=0), Oberfläche sperren (./console config:set General.maintenance_mode=1), dann./console core:update. War „Tracking Spam Prevention“ installiert, aber deaktiviert, musscore:updatezweimal laufen. - Nacharbeiten: Tracking und Oberfläche wieder einschalten, Systemprüfung ansehen, die Lücke aus dem Wartungsfenster per Import der Webserver-Logs nachholen. Queued Tracking empfiehlt Matomo zwischen Major-Versionen nicht.
- Kommunikation: Den erwarteten Rückgang durch den Bot-Filter vorab allen ankündigen, die mit den Zahlen arbeiten.
Beta, RC oder final: wann upgraden?
Betas sind zum Testen da: Matomo selbst weist darauf hin, dass sie Fehler enthalten können, in sehr seltenen Fällen auch Datenverlust. Für Produktivsysteme heißt das: auf die finale Version warten, idealerweise auch auf das erste Patch-Release.
Es gibt keinen Grund zur Eile. Matomo 5 wird als Long-Term-Support-Version mindestens zwölf Monate nach dem Erscheinen von Matomo 6 weiter gepflegt. Nutzen Sie die Zeit für die Vorarbeiten aus der Checkliste und einen Probelauf auf einer Staging-Instanz.
Wenn Sie das Upgrade nicht selbst stemmen möchten: Im SLA-Betrieb übernehmen wir Updates und Härtung Ihrer Instanz, auch über Major-Versionen hinweg, vom Probelauf an der Kopie bis zum Wartungsfenster. Für unsere eigenen Plugins für Matomo gehören Kompatibilitäts-Updates für neue Major-Versionen ohnehin dazu.